Pokerprofi Sandro Trovato im Interview mit holdem-poker.ch
Sandro Trovato ist Neo-Pokerprofi und wird von Ex Möchtegern-Pokerprofi Dani von holdem-poker.ch interviewt.
Dabei gibt der Gründer von winningpoker.ch interessante Einblicke in den Berufsalltag seines "Traumberufs Pokerprofi". Natürlich darf auch die eine oder andere Poker-Anekdote nicht fehlen.
Interview, 20.05.2011. Sandro in San Diego, Kalifornien. Dani in der heute Abend verregneten Schweiz. Dank Skype ist sowas heute kostenlos möglich.
Dani: Du bist seit Anfang 2011 Pokerprofi. Erzähl mir bitte kurz, wie es dazu gekommen ist.
Sandro: Im Februar 2006 lag ich mit einer üblen Mandelentzündung im Bett. Mir wurde langweilig und ein E-Mail eines Pokeranbieters animierte mich, dort mal reinzuschauen.
Die ersten 400$ waren sehr schnell verspielt. In zwei Tagen verlor ich Heads-Up gegen immer den gleichen Spieler rund 1'000$.
Wir kamen ins Gespräch und er sagte mir, ich hätte einfach keine Ahnung vom Pokern. Ich bat ihn darum, mir Tipps zu geben und er schlug vor, ich solle doch nach London zu ihm reisen für ein Coaching.
Im September 2006 flog ich nach London und ein neues Kapitel in meinem Leben begann... Die ausführliche Geschichte findet ihr auf winningpoker.ch: Online Poker - Frust oder Segen?

Sandro Trovato. Foto zur Verfügung gestellt von pokeraction.info
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Dani: Aus deinem XING-Profil entnehme ich, dass Du 1994-1996 vom Billard Spielen gelebt hast. Wie muss ich mir das vorstellen?
Sandro: Ich bin grundsätzlich ein Mensch, der gerne das macht, was er gerne macht. Nach dem KV war Billard meine grosse Leidenschaft.
Ich habe mich mit Turniergeldern, Zocken und dem gelegentlichen Arbeiten in einem Billardcenter (Kurse und Aufsicht) über Wasser gehalten.
Aber es war nicht sehr lukrativ, manchmal musste ich im Vorraum einer Bank beim Bankomaten schlafen, weil kein Zug mehr ging, und das Geld nicht für ein Hotel reichte.
Aber es waren schöne Zeiten, die ich nicht missen möchte.
Dani: Es gibt da einen ganz berühmten Pokerspieler Daniel (Anm. der Red. Daniel Negreanu gemeint), begann seine Poker Karriere indirekt als Billard-Spieler (Snooker um es genau zu nehmen).
Gibt es da parallelen?
Sandro: Eigentlich nicht, ich habe ihn erst wahrgenommen, als ich begann Poker zu spielen. Ich kenne seine Geschichte nicht so genau. Seine Reads finde ich extrem gut, nur sollte er ihnen dann auch folgen, anstatt die Hand des Gegners genau zu bestimmen, und dann den Call trotzdem zu machen.
Dani: Kommen wir wieder zurück zum Thema Profipokern. In unserem Artikel Poker-Profi-Werden beleuchten wir das Thema. Wie findest Du den Artikel?
Sandro: Grundsätzlich bin ich mit dem Inhalt einverstanden. Ich finde aber, dass du die negativen Seiten zu stark beleuchtest und das Positive zu wenig hervorhebst.
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Dani: Na los, was meinst Du? Konstruktive Kritik an meinen Artikeln ist immer erwünscht.
Sandro: Also, das Thema Einseitigkeit im Artikel: 15 Jahre lang habe ich beruflich mich mit dem Thema Coaching und Mitarbeitermotivation beschäftigt. Studien über Arbeitnehmer in der Schweiz besagen, dass 60% der Menschen nur arbeiten, damit sie ihren Lebensunterhalt verdienen, haben aber nicht wirklich Spass am Job. Sind wir mal ehrlich, welcher Job ist nach einer gewissen Zeit nicht einseitig?
Dani: Das heisst, Du findest deinen Job als Poker Pro wirklich abwechslungsreich?
Sandro: Wenn Du den Job anschaust als "ich sitze 6-8 Stunden am Tag vor dem Bildschirm und klicke mit der Maus", dann ist er sicher langweilig, ja. Aber jede Hand für sich ist einzigartig. Themen wie die Tischselektion, das weiter entwickeln seiner Skills, das ist ein Prozess der lebt und spannend ist. Auch ab und zu Mal neue Sachen am Tisch auszuprobieren, das macht das Ganze interessant und abwechslungsreich!
Dani: Zum Beispiel?
Sandro: Da gibt es viele Möglichkeiten. Halt all die Moves und Spielzüge wie Floating, Checkraise, Bluffen mit dem blanken A im PLO etc.! All diese Dinge spielen sich gegen jeden Gegner anders, was das Spiel eben zu einem Strategiespiel macht, und einen immer wieder aufs Neue herausfordert.
Dani: Gibt es weitere Themen im Artikel, die ich zu negativ sehe?
Sandro: Das Thema Soziale Kontakte in der Freizeit. Wenn ich Online Poker spiele, dann bin ich teilweise mit Kollegen über Skype verbunden, es findet ein Austausch statt, halt über elektronische Medien, aber man bespricht Hände, oder plaudert einfach, während man auf Action an den Tischen wartet.
Viele Freunde arbeiten noch bei meinem alten Arbeitgeber. Sie arbeiten oft am Abend, wir treffen uns am Tag fürs Fitness oder man unternimmt sonst etwas. Oft auch spontan, was ja bei einem normalen Arbeitgeber schlecht geht.
Hat man zum Beispiel eine Lebenspartnerin, würde sie wohl am Morgen um 7.00 oder 8.00 Uhr das Haus verlassen, und am Abend gegen 18.00 Uhr wieder nach Hause kommen. Man hat dann den ganzen Tag Zeit gehabt um zu arbeiten, und kann dann am Abend die gemeinsame Freizeit geniessen.
Ich muss ja auch nicht 10 Stunden am Tag Pokern. Die Frage ist ja, wie viel du am Tag gewinnen musst oder willst, um zu Leben. Bin ich genug im Plus, dann höre ich auch mal auf, wenn am Abend etwas los ist. Wenn ich aber noch im Minus bin, dann ist es schwieriger, mich loszureissen, was nicht bedeutet, dass ich es nicht kann. Aber als ehrgeiziger Mensch, beendet man einfach keinen Tag gerne im Minus.
Aber, die Freiheiten, selber zu entscheiden, wann, wie viel und von wo aus ich arbeite, das sind Dinge, die ein normaler Beruf nicht bietet und die ich besonders schätze.
Dani: Wie viel pokerst Du eigentlich im Schnitt pro Woche?
Sandro: Das ist schwierig zu sagen. Seit ich in den USA unterwegs bin, habe ich 115 Stunden gepokert (23. März bis 15. Mai). Mal ist es mehr, mal weniger, ich habe keine festen Arbeitszeiten definiert. Es ist für mich auch keine "Arbeitszeit", deshalb spielt es keine Rolle, ob ich 20, 40 oder 80 Stunden pokere, ich spiele eh nur wenn ich Lust habe und weil es mir Spass macht!
Weiter zu Teil 2 (von 3) - Interview mit Pokerprofi Sandro Trovato.
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